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Karl Abraham

Bemerkungen zu Ferenczis Mitteilung über »Sonntagsneurosen«

Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, Oktober 1919

Online seit: Sonnabend 3. Juni 2006

Karl Abraham, Bemerkungen zu Ferenczis Mitteilung über »Sonntagsneurosen«, Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, V, Heft 3, S. 203-204, Oktober 1919.

Temporäre Verschlimmerungen nervöser Zustände im Zusammenhang mit Sonn- und Feiertagen, Ferien usw. sind auch mir nicht selten begegnet. Die folgenden Bemerkungen zur ?tiologie dieser Schwankungen sollen Ferenczis Ausführungen [1919] in keiner Weise widersprechen, sondern sie in gewisser Richtung ergänzen.

Eine erhebliche Anzahl von Menschen vermag sich vor dem Ausbruch schwererer neurotischer Erscheinungen nur durch intensives Arbeiten zu schützen. Infolge zu weitgehender Triebverdrängung besteht bei ihnen dauernd die Gefahr, daß Erregungsquantitäten sich in neurotische Symptome umsetzen. Durch die angestrengteste Tatigkeit lm Berufe, im Studium oder in ihrem sonstigen Pflichtenkreis lenken sie sich gewaltsam von den Forderungen ihrer Libido ab. Sie gewöhnen sich an Arbeitsleistungen, die weit über das objektiv Notwendige hinausgehen. Die Arbeit wird ihnen ähnlich unentbehrlich - und zwar in immer gesteigerten Dosen -, wie dem Morphinisten sein gewohntes Gift. Bricht bei diesen Neuropathen eines Tages eine eigentliche Neurose aus, so sind ?rzte und Laien rasch mit einer Scheinätiologie zur Hand; sie lautet: »Überarbeitung«. In einem Teile der Fälle vermag die Arbeit das Drängen der Libido nicht dauernd niederzuhalten; irgendwann bricht diese sich auf dem Wege der Konversion dennoch Bahn. In anderen Fällen - die uns hier besonders angehen - treten neurotische Symptome, mehr oder weniger schwer und akut, dann hervor, wenn die Arbeit durch äußere Umstände unterbrochen wird. Das durch die Arbeit mühsam erhaltene seeiische Gleichgewicht geht so für die Dauer des Sonntags, der Feiertage usw., oder aber für langere Zeit verloren. Bei Wiederbeginn der Arbeit fühlen sich die Patienten sogleich wieder wohler.

Aber noch ein anderer Faktor verdient Beachtung. Die große Mehrzahl der Menschen benützt den Sonntag zum Lebensgenuß, sucht den Tanz und überhaupt die Gesellschaft des anderen Geschlechtes. So erinnert der Sonntag unsere Patienten in unerwünschter Weise an die Gebundenheit des eigenen Trieblebens, besonders an ihre Unfähigkeit zur Annäherung an das andere Geschlecht. Einer meiner Patienten mied am Sonntag die Straße, urn dem Anblick der Liebespaare zu entgehen. In trüber Stimmung und quälender Unruhe hielt er sich im Hause. Die Pein dieser Insuffizienzgefühle schwindet mit dem Ablauf des Sonntags. Am nächsten Arbeitstag vermögen unsere Patienten sich im Gegenteil ihren Mitmenschen überlegen zu fühlen, weil diese ihnen an Arbeitsleistung nicht gleichkommen.

Während des Krieges sah ich eine Reihe von Soldaten den militärischen Dienst mit übertriebener Gewissenhaftigkeit ausführen. Sie hielten sich auf diese Weise relativ symptomfrei. Jeder Urlaub wirkte nachteilig auf sie, indem er stärkere neurotische Erscheinungen auslöste. Em Offizier iitt während der unfreiwilligen Ruhe des Stellungskrieges unter starken neurotischen Beschwerden; er bat seine Vorgesetzten stets, ihn an einen mögiichst bewegten Teil der Front zu versetzen, damit er von seinen Beschwerden frei werde.

Körperliche Erkrankungen oder Unfälle, die den Betroffenen zur Untätigkeit zwingen, ziehen nicht selten den Ausbruch oder die Verschlimmerung einer Neurose nach sich. Man bringt dann die Neurose gern in einen ätiologischen Zusammenhang mit der vorausgegangenen Infektion, dem Unfall usw. Nicht selten läßt sich alsbald feststellen, daß die unterdrückte Libido den Patienten zu der Zeit uberwältigt hat, als er zur Untatigkeit genötigt war.

Mit Hinblick auf die regelmäßige Wiederkehr der »Sonntagsneurosen« möchte ich daran erinnern, daß ein anderes, rhythmisch sich wiederholendes An- und Abschwellen der Neurose zwar in seiner Erscheinung wohlbekannt ist, aber noch keine Berücksichtigung in der psychoanalytischen Literatur gefunden hat. Ich meine die alltäglichen Schwankungen im Zustand der Neurotiker. Geläufig ist dem Arzte besonders der Typus des Neurotikers mit depressiver Stimmung am Morgen und Euphorie am Abend. Es würde sich verlohnen, auch diese Eigentümlichkeit im Ablauf vieler Neurosen einer gesonderten Bearbeitung zu unterziehen. Aus einer einzelnen Beobachtung kenne ich ferner die jährliche Exazerbation einer Neurose (Angsthysterie) lm Winter um die Zeit der kürzesten Tage; sie schwand jeweils mit dem Eintritt der längeren Tage.

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